GEBETSAKTION - MARIA KÖNIGIN DES FRIEDENS - MEDJUGORJE
VORTRAG
Pater Slavko Barbaric
GOTTESERFAHRUNG

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INHALT
HEFT 53


Bischof Raich - Medjugorje ist eine große Chance für die Kirche !

Medizinische Untersuchungen an den Sehern

Malteser in Medjugorje

Pilgerfahrt - Teil unseres Glaubenslebens

Prof. Dr. Rebic - Die Liebe und die Gnade Gottes erfahren

Mirjana - Beten wir für all jene, die die Liebe Gottes noch nicht erfahren haben!

P. Slavko - Gotteserfahrung

Klara Zeilberger - Vertrauen wir der Muttergottes!



Anthropologisch-biblische und religiös-geistige Dimensionen der Pilgerfahrt mit konkretem Bezug zu Medjugorje

Pater Slavko Barbaric



Pilgerfahrten kennt man in allen Religionen. Sie sind ein Ausdruck des Menschen, der Gott an Orten sucht, an denen Er sich auf besondere Weise offenbarte, an denen Er den Menschen die Möglichkeit gab, Seine Anwesenheit leichter zu fühlen oder bei besonders begabten Personen, die mit ihren Gaben ein besonderes Zeichen der Anwesenheit Gottes bezeugen. Deshalb gibt es Pilgerorte, die die Menschen anziehen und zu denen sie auf der Suche nach neuen Gotteserfahrungen kommen, beziehungsweise nach Erfahrungen des Friedens, der Freude, Liebe und Hoffnung. Mit jeder Pilgerfahrt verläßt der Mensch seinen Alltag, läßt Arbeit, Familie, Freunde, Sicherheit hinter sich und macht sich, getragen von der Sehnsucht nach einer neuen Begegnung mit Gott, auf seinen Weg. Es gibt Pilgerorte, die durch das direkte Eingreifen Gottes in das Leben eines oder mehrerer Menschen entstanden sind (zum größten Teil entstanden so die marianischen Pilgerorte, die mit Erscheinungen verbunden sind) oder sie entstanden im Laufe der Zeit, sehr oft auch nach dem Tod eines von Gott besonders auserwählten Menschen oder gar durch das charismatische Wirken einzelner Personen innerhalb der Kirche.

Unabhängig von der Entstehungsgeschichte eines Pilgerortes sucht der Pilger immer dasselbe. Da die Pilger aus verschiedenen Motiven kommen, ist es die Pflicht jener, die für die Pilgerorte verantwortlich sind, jedem Pilger dabei zu helfen, sich der wahren Motivation seiner Pilgerfahrt bewußt zu werden: die Begegnung mit Gott, der auf den Menschen wartet. Um dies zu erreichen, sollte man alle dafür zur Verfügung stehenden Mittel verwenden, um das geschehen zu lassen, was geschehen soll: die Begegnung zwischen dem wartenden Gott und dem suchenden Menschen.

Unsere besondere Pilgerstimmung erlaubt uns zu sagen, daß der Mensch an sich eine FRAGE UND DIE SUCHE NACH DER ANTWORT IST, WÄHREND GOTT DIE ANTWORT UND DAS WARTEN AUF DEN SUCHENDEN IST. In der biblischen Überlieferung werden verschiedene Pilgerorte erwähnt; Orte, an denen die Menschen ihren Gott und die Begegnung mit Ihm suchten. Es werden auch religiöse Menschenversammlungen erwähnt - die Pilgerfahrten. Eine von ihnen ist auch Sichem, in dem sich das Volk im Heiligtum Gottes versammelt und in dem der Bund mit Gott geschlossen wurde (vgl. Jos 24, 25). Außer Sichem wird als Versammlungsort auch Bethel genannt (1 Sam 10, 3), Beerscheba (Am 5,5), sowie Ofra und Zora (Richter 6, 24 und 13, 19).

Später wurden alle Heiligtümer abgeschafft und das Paschafest, das Wochenfest und das Laubhüttenfest eingeführt, die in Jerusalem gefeiert werden. So bleibt als einziger Pilgerort der Tempel in Jerusalem. Um den Tempel versammelte sich eine Menge von Menschen aus Palästina und aus der Diaspora mit dem gleichen Ziel: daß dem Volk der richtige Glaube erhalten bleibt und es nicht von seinem Gott abschweift. An diesen Tagen wurde der wahre Gott angebetet, die Ergebenheit zur heiligen Stadt bekundet und schließlich eine tiefe Verbundenheit des Volkes Gottes verwirklicht. Pilgerfahrten sind nicht nur konkreter Besuch eines heiligen Ortes, an dem sich Gott offenbarte, sondern sie sind auch ein eschatologisches Ereignis. Man spricht von einem "Tag der Rettung", der als Pilgertreffen aller Völker und Ungläubigen gedacht ist.

An dieser Stelle genügt es, sich die Psalmen 120-134 ins Gedächtnis zu rufen, um die volle Bedeutung der Pilgerfahrt für das israelitische Volk zu verstehen:


"Ich freute mich, als sie zu mir sagten: Wir gehen zum Haus des Herrn! Unsere Füße standen dann in deinen Toren, Jerusalem. Jerusalem, die du aufgebaut bist als eine fest in sich geschlossene Stadt, Wohin die Stämme hinaufziehen, die Stämme Jahs, ein Mahnzeichen für Israel, Um den Namen des Herrn zu preisen" (Ps 122)


Aus der biblischen Offenbarung geht klar hervor, daß der Mensch dazu aufgerufen ist, von seiner Seite aus alles zu tun, um das anzunehmen, was Gott in Seiner Liebe für Ihn vorbereitet hat. Deshalb ist der Mensch zur Bekehrung aufgerufen, die den Weg zum Frieden darstellt, auf dem er alles hinter sich läßt, was ihn hindert, den Frieden zu erleben und leben. Damit diese Bekehrung gelingt, die das Aufgeben dieser Welt, seiner Versprechen und das Öffnen für Gott, der Frieden ist, bedeutet, muß der Einzelne, die Familie und von Zeit zu Zeit auch das ganze Volk nicht nur beten, sondern auch fasten, glauben und lieben, sich versöhnen und vergeben, um am Ende alle Schwierigkeiten zu überwinden und den Frieden zu finden, den Gott verspricht. Und all dies ereignet sich auf besondere Weise auf einer Pilgerfahrt.

Gott offenbart sich in Pilgerorten auf außerordentliche Weise durch die Bibel und besondere Menschen. Das ist, was den Menschen motiviert, sein Alltagsleben hinter sich zu lassen und sich einem solchen Ort zuzuwenden. Gott bietet dem Menschen vor allem Seine Anwesenheit mit der Absicht an, daß Ihn der die geliebte Anwesenheit suchende Mensch findet. Der die ersehnte Anwesenheit erlebende Mensch wird empirisch die Befreiung von seiner Last spüren, die er sich auf seiner irdischen Pilgerfahrt als Folge der eigenen Schwäche und Sündhaftigkeit, wie auch der Sünden anderer, aufgebürdet hat.

Nachdem man die Befreiung von den Sünden und ihren Folgen erlebt hat, sollte man der Erfahrung des Friedens, der Freude, Liebe, Hoffnung und des Vertrauens folgen und die Anwesenheit des Herrn in seinem Leben akzeptieren. Man sollte alles tun, um in dieser Anwesenheit zu bleiben, auch wenn es im Leben nicht immer einfach ist. Wird man von der göttlichen Anwesenheit getrennt, sollte man sich wieder auf die Suche nach ihr machen und sie verwirklichen. Je tiefer die Erfahrung des Friedens und der Liebe ist, desto leichter ist es, auf dem Weg mit Gott zu bleiben und fest entschlossen gegen alles, was einen von Gott entfernt, zu kämpfen.





Damit sich der Mensch leichter von seinen Sünden trennt und von deren Folgen befreit, ist es also erforderlich, daß jeder Pilgerort verschiedene Formen der Begegnung mit Gott anbietet. Nach der Bibel und den Erfahrungen der Propheten gibt es zuerst den AUFRUF, die Stadt zu verlassen, aus dem Alltag herauszutreten und einen Ort zu suchen, an dem man Frieden und Ruhe findet. Mit anderen Worten, man sollte also in die Wüste gehen, sich dann auf den Weg zum Berg begeben, auf den Berg steigen, wo die Propheten beteten und dem Herrn begegneten, um dann wieder in den Ort - in die Stadt - zurückzukehren und die Arbeit fortzusetzen. In der biblischen Pilgerpraxis ist der wichtigste Ort doch der Tempel, der Mittelpunkt, in dem sich das gläubige Volk versammelt. An diesen Orten, zu denen sie gerufen wurden, BETETEN UND FASTETEN die Gläubigen. In den Tempel brachte man Opfer, Kulte wurden gefeiert es kam zur VERSÖHNUNG DER MENSCHEN MIT GOTT. P. Slavko Nach diesen Begegnungen kehrten die Gläubigen zurück in ihre Häuser und waren bereit, ihre Aufgaben zu AKZEPTIEREN, Gutes zu tun und an die Witwen und Waisen zu denken. Der Mensch kommt also in den Pilgerort mit seinen Wünschen, aber getragen von seinen Sünden und Schwierigkeiten, so daß man ihm ermöglichen muß, alles im Lichte der Liebe und Barmherzigkeit Gottes zu sehen, um die Wahrheit jener Worte Jesu zu erleben, mit denen Er alle Mühseligen und Beladenen aufrief, zu Ihm zu kommen, um ihnen Ruhe und Frieden zu geben (vgl. Mt 11,28). Dem Pilger muß also geholfen werden, sich auf seiner Pilgerfahrt auf den Wegen des biblischen Pilgers zu bewegen, wozu man ihm genügend Zeit geben sollte bzw. ihm nicht gestattet, alles übereilt zu tun, wie ein Tourist, der sich Sehenswürdigkeiten ansieht. Er muß innehalten, sich Zeit nehmen, auf den Berg steigen und im Tempel dem Herrn begegnen, der vergibt und ihm den Frieden zurückgibt.

Im Lichte des bisher Gesagten ist es nicht schwer zu verstehen, was in Medjugorje geschieht und was noch geschehen muß, bzw. wie der Gottesdienst gestaltet werden soll, wie er heute gestaltet ist, und warum man dem Medjugorjepilger gerade das anbietet, was ihm angeboten wird.

Tatsache ist, daß sich kein einziges Heiligtum, und so auch kein marianisches Heiligtum so entwickelt hat und noch immer so entwickelt wie Medjugorje. Und ich wage zu behaupten, daß kein einziges der idealen Form der Pilgerfahrt entspricht, wenn man den suchenden Menschen und den sich anbietenden Gott in Betracht zieht, wie das in Medjugorje der Fall ist. - (Eine Ausnahme könnte die Pilgerfahrt in das Heilige Land sein, weil dort Treffen an Orten möglich sind, an denen sich Gott offenbarte und an denen Jesus wirkte.)

Papst Johannes Paul II. ruft uns unermüdlich auf, uns auf das dritte Jahrtausend vorzubereiten, aber mit Jesus und Maria. In der Enzyklika "Mutter des Erlösers" (1987) geht es um Maria, die mit der Kirche pilgert, die ihr zweites Kommen lebt und als Mutter, Lehrerin und Pilgerin die Kirche auf den 2.000. Geburtstag ihres Sohnes vorbereitet. Wenn dieses Wort des Papstes irgendwo Anwendung finden kann, und wenn irgendwo Mariens Pilgerfahrt verwirklicht wird, dann ist das in Medjugorje. Hier kommt sie täglich als "Pilgerin" und erscheint schon seit fast 18 Jahren und lehrt das ganze Volk Gottes zu beten und zu fasten, zu pilgern und Gott zu finden und zu Ihm mit ganzem Herzen zurückzukehren. In der Botschaft vom 25. August 1998 sagt sie:


"Liebe Kinder! Heute lade ich euch ein, mir durch das Gebet näher zu kommen. Meine lieben Kinder, ich bin eure Mutter, ich liebe euch und ich wünsche, daß jeder von euch gerettet wird und so mit mir im Himmel sei. Deshalb, meine lieben Kinder, betet, betet, betet, bis euer Leben zum Gebet geworden ist. Danke, daß ihr meinem Ruf gefolgt seid."


Medjugorje ist also ein Pilgerort im wahrsten Sinn des Wortes, sowohl was die Offenbarungen Gottes betrifft, als auch die menschlichen Bedürfnisse und die Möglichkeit, Gott zu begegnen und auch als Antwort auf die Aufrufe des Papstes, die Welt auf den Eintritt in das dritte Jahrtausend vorzubereiten.

Man sollte jedoch auch auf jene Gefahren hinweisen, die es an jedem Ort gibt, an dem sich viele Menschen versammeln. Auch Medjugorje ist da keine Ausnahme. Man sollte auf der einen Seite darauf achten, daß die Botschaften rein bleiben und ihre klare, konkrete Anwendung in der Liturgie finden (Gebet, Eucharistie, Anbetung, Beichte, Aufstieg auf die Berge), auf der anderen Seite sollten die Protagonisten demütig bleiben und offene Werkzeuge, durch die Gott wirkt.

Auf alle Fälle sollte darauf geachtet werden, daß die Botschaft nicht durch Materialismus, den Geist des Tourismus, die Jagd nach Geld und Kommerzialisierung überdeckt wird, denn dann ist der wahre Pilgergeist in Gefahr! Besonders sollte darauf geachtet werden, daß die menschliche Neugier nicht überhand nimmt, sondern daß sie vielmehr auf die richtige Weise kanalisiert und geleitet wird. Es kann gesagt werden, daß das Geistige in Medjugorje noch immer erkennbar ist und daß die oben genannten Gefahren es nicht geschafft haben, es zu ersticken. Wieder zu Hause, muß der Pilger darauf achten, auch weiterhin im Geiste von Medjugorje zu leben und von Fanatismus und Elitismus abzusehen. Medjugorje wurde der Menschheit nicht gegeben, um etwas besser zu wissen, sondern um das Evangelium von Jesus Christus, dem einzigen Erlöser, besser zu leben.

Medjugorje hat noch etwas geschaffen, was von Wichtigkeit ist: Priester von Medjugorje und teilweise auch die Seher organisieren Begegnungen in der ganzen Welt, an denen Tausende Gläubige teilnehmen. Auch diese Treffen haben nur den Zweck, daß wir uns unserer Rolle in diesem großartigen Eingriff Gottes bewußter werden und sie würdig ausführen. In der Hoffnung, daß Gott uns durch Maria auch weiterhin in dem, was Er unter uns begonnen hat, leiten wird, sagen wir mit Maria:

DEIN WILLE GESCHEHE! ICH BIN BEREIT, ALLES ZU TUN, WAS DU MIR SAGST, ABER HILF MIR ZU VERSTEHEN, WAS DU VON MIR FORDERST.


(Vortrag in Neum, März 1999, gekürzt)