Zur Hauptseite Zurück zum Heftarchiv INHALT HEFT 54 Ich schreibe, um Medjugorje in der Wahrheit der Geschichte und des Evangeliums zu belassen Vicka: Die Muttergottes lehrt uns, demütig und ausdauernd zu sein Jährliche Erscheinung: Seherin Ivanka Ivankovic-Elez Bericht über den 18. Jahrestag Pater Ljudevit: Gottes Gnade vermag mehr als die Schwäche der Menschen Im Herzen der Kirche Liebe sein Schwester Emmanuel: Medjugorje ist ein Ort, an dem wir Gott erfahren. Pater Carlo Colonna, SJ Bericht: ARMEN- AUSSPEISUNG Kosovo NEU: Buch; 18 Jahre Erscheinungen. Postkarten; eine Serie von 12 Motiven aus Medjugorje. |
Ich schreibe, um Medjugorje in der Wahrheit
der Geschichte und des Evangeliums zu belassen
Würden Sie uns bitte etwas über Ihr Leben erzählen? Ich bin während des ersten Weltkrieges geboren. Wir lebten in einer christlichen, aber harten und strengen Welt. Ich habe das Wesentliche mitbekommen, ohne es recht zu verstehen - ich weiß nicht, warum der Herr mir ab meinem vierten Lebensjahr die Idee eingegeben hat, daß ich Priester werden soll, niemand anderer hatte es von mir verlangt. Ich glaube, daß Gott es wollte, daß ich Priester werde, ich glaube es noch immer und ich bereue es keineswegs, im Gegenteil! Seit wann sind Sie als Mariologe tätig? In meiner Familie hatten beide Elternteile die Weihe an Maria nach dem heiligen Ludwig Maria Grignion von Montfort abgelegt. Auch ich hatte den Wunsch, sie zu machen. Ich legte diese Weihe ab, als ich Kriegsgefangener bei der Fliegerabwehr ab. Während meiner fünfjährigen Gefangenschaft hatte ich die Absicht, eine Doktorarbeit zu schreiben, ich überlegte zunächst eine Dissertation in Exegese. Mein Professor hat mir vorgeschlagen über die Himmelfahrt des Jesaias zu schreiben (Kap.24-27). Doch in der Gefangenschaft war ich für die Exegese nicht bereit. Als ich nach Hause durfte, habe ich zwar über das vorgegebene Thema nachgedacht, doch auch über das Priestertum Mariens, das mir mehr als ein Thema der Synthese erschien, um die Theologie neu zu durchdenken. Es war damals ein sehr heikles Thema. Ich habe fünf Jahre dafür gebraucht, zuerst an der Sorbonne, der Universität von Paris, die historische Seite und dann im Institute de Katholique die theologische Seite geschrieben. Wodurch sind Sie mit Medjugorje in Kontakt gekommen? Ich habe sehr viel über Erscheinungen geschrieben. Ich hatte zunächst kein besonderes Interesse an diesem Thema, aber immer war es die Kirche, die mich dazu aufgefordert hatte. So habe ich z.B. mehr als dreißig Bände über Lourdes verfaßt. Ich wollte immer solide, fundierte Sachen machen. Meine Methode war nicht nur eine historische, sondern auch eine theologische, um zu beweisen, daß in den Botschaften der Erscheinungen nicht mehr gesagt wird, als im Evangelium steht. Die Erscheinungen dienen dazu, um in einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort wieder in Erinnerung zu bringen, was unsere Ohren, die taub geworden sind, nicht mehr hören können. Um eine Erscheinung zu verstehen, muß man sie wie ein Transparentpapier auf das Evangelium auflegen, um zu sehen, was sie vom Evangelium her für unsere Zeit sagen will. Nach Lourdes wurde ich gebeten, die Erscheinung von Pontmain zu bearbeiten. Ich habe einige Jahre damit zugebracht. Dann hat man mich gebeten, Fatima zu untersuchen, aber ich konnte nicht alles tun. Schließlich habe ich ab 1981 Medjugorje kennengelernt: Meine erste Information war aus zweiter Hand. Im "Figaro", einer großen französischen Tageszeitung, stand ein ganz kleiner Artikel. Und so bin ich zu Weihnachten 1983 nach Medjugorje gefahren. Ich war der Meinung, daß der Bischof dem Phänomen positiv gegenübersteht. Ich habe ihn aufgesucht und er war sehr gastfreundlich. Msgr. Zaniç war ein Mann des Herzens. Doch er hat mir seine Einwände geschildert. Als ich verglichen und überprüft habe, habe ich bemerkt, daß die Einwände nicht sehr fundiert waren. Ich habe Bücher veröffentlicht, das erste erschien 1984 mit einer Auflage von 80.000 Stück. Dieses Buch habe ich auch dem Papst überreicht. Im nächsten Jahr hat er die wissenschaftlichen Untersuchungen gelesen, die ich mit vielen Ärzten durchgeführt hatte. Wie war Ihre theologische Arbeit über Medjugorje? Ich arbeite immer nach derselben Methode und zwar aufgrund des Evangeliums und der Früchte. Es gibt eine einzige Regel dafür im Evangelium: Ihr werdet den Baum an seinen Früchten erkennen. Deswegen widme ich einen großen Teil meiner Aufmerksamkeit den Früchten. Bei den Sehern ist das meiste positiv zu beurteilen, es gibt kleine Kritiken, aber sechs Jugendliche von heute, die engagierte Christen bleiben, die ihre Kinder christlich erziehen, sind als gut zu bezeichnen. Wenn man mich fragt, ob das Phänomen echt ist, dann sage ich, nicht ich bin es, der das Urteil zu treffen hat, sondern die Kirche. Ich habe viel studiert, das Positive und das Negative verglichen, in Lourdes, in Fatima, in Guadalupe und in Medjugorje. So gibt es in Medjugorje nicht weniger Positives und nicht mehr Negatives als anderswo. Aber ich ziehe daraus keine Schlußfolgerungen, das Urteil obliegt der Kirche. Aus welchem Anlaß haben Sie die Veröffentlichungen über Medjugorje gemacht? Ich schreibe um der historische Wahrheit willen, und wegen einer gewissen Unterscheidung, vor allem auch, daß keine Verleumdungen, die zahlreich und schwerwiegend waren und manchmal von ziemlich weit oben kamen und auch keine Übertreibungen, die es von einigen Gläubigen gibt, verbreitet werden - und um Medjugorje in der Wahrheit der Geschichte und des Evangeliums zu belassen. Sie kennen schon jahrelang die Entwicklung des neuen Wallfahrtsortes Medjugorje. Was würden Sie als Verantwortlicher tun, wenn Sie es leiten würden? Die Franziskaner machen ihre Arbeit sehr gut. Es war und ist noch immer nicht einfach für sie, zwischen dem Kommunismus und den Gegnerschaften aus der Kirche zu wirken. Ich glaube, sie sind gut daran, sich auf das Spirituelle zu konzentrieren. Ihr pastoraler Standpunkt scheint von der Glaubenskongregation angenommen zu werden. Es ist notwendig, daß das Spirituelle, das Geistliche die Vorherrschaft hat und daß das Geistliche nicht dem Abstrakten, Rechtlichen geopfert wird. |
Wie sehen Sie die Entwicklung der Seher? Jeder von ihnen hatte es schon schwer im Leben. Ich glaube, daß viele an eine Berufung gedacht hatten, ich glaube sogar, sie hatten ihre Berufungen. Aber sie sind durch verschiedene Umstände und sogar durch die Obrigkeit blockiert worden. Vicka ist die einzige, die die ausschließliche Hingabe an Gott ohne Ehe gewählt hat. Aber alle haben verstanden, daß ein Seher, der in der Kirche Gelübde ablegt, ein sehr schwieriges Leben haben kann, und daß es besser ist, wenn sie Laien sind, gerade zu einer Zeit, wo die Freiheit der Laien sehr gut und die der Priester nicht so gut anerkannt ist. Sie waren sehr oft bei den Erscheinungen dabei, wie haben Sie diese erlebt? Ich habe sie nicht unbelastet aufgenommen, weil ich immer als Kliniker, als Techniker gekommen bin, um sie zu untersuchen. Ich konnte sie nie so erleben, wie diejenigen, die nur kommen, um sie im Glauben aufzunehmen. Ich habe auch in Zusammenarbeit mit Ärzten mit allen möglichen objektiven Mitteln die Erscheinungen untersucht. Die Ekstase, die ich am besten wahrgenommen habe, war zu Weihnachten 1983. Bei meinen Beobachtungen war ich von der Natürlichkeit der Seher während der Erscheinung überrascht. Ich hatte einen sehr positiven Eindruck von der Anwesenheit der Mutter Gottes. Medjugorje ist eine große Bewegung in der ganzen Welt geworden. Viele Laien arbeiten mit ganzem Herzen dafür. Glauben Sie, daß das so entstanden ist, weil der Ortsbischof dagegen war? Ich glaube, daß die Gegnerschaft des Bischofs eher alles verlangsamt hat und Hunderte, Tausende Menschen daran gehindert hat, hinzufahren. Als der Bischof seine erste Erklärung gegen Medjugorje abgegeben hat, im Oktober 1984, ist mein Buch mit 80.000 Stück Auflage veröffentlicht worden. Dann hat man sieben Jahre hindurch keine Neuauflagen mehr gemacht. Und man hat gesehen, daß weniger Pilger gekommen sind, viele Priester haben den Pilgern geraten, nicht hinzufahren. Ich bin überzeugt, daß Tausende Menschen nicht nach Medjugorje kommen, weil man sagt, daß die Kirche dagegen ist. Aber wenn man die Gesamtheit der Dokumente der Kirche liest, so läßt ja die Kirche den Leuten volle Freiheit, hinzufahren. Die Medjugorjebewegung in der ganzen Welt ist einzigartig... Medjugorje ist eine einzigartige Bewegung! Einzigartig, was die Früchte betrifft. Ich glaube, es ist der Ort in der Welt, wo am meisten gebeichtet wird und es ist der Ort, wo es die meisten Bekehrungen gibt! Es ist der Ort, wo die meisten Berufungen hervorkommen, es ist der Ort, wo eine große Bewegung für das Fasten entstanden ist, der die größte Anzahl von Gebetsgruppen und viele Gemeinschaften hervorgebracht hat. Wie sehen Sie die Zukunft von Medjugorje? Ich sehe nicht, ich hoffe! Ich habe lange befürchtet, daß so viele Schwierigkeiten die Entwicklung des Ortes stark bremsen würden, daß alles zerfällt, so wie man viele Dinge in der Kirche zerfallen sieht. Und ich war sehr erstaunt, zu sehen, wie alles unter schwierigsten Umständen doch stark gewachsen ist. Die Gottesmutter kommt als Königin des Friedens. In dieser Region herrscht schon seit fast zehn Jahren Krieg. Ist das nicht ein Gegensatz?
Das ist ein großes Paradoxon. Aber es kommt immer zu Frieden im Krieg, auch die Erlösung ist im furchtbaren Geschehen des Kreuzes passiert. Es ist notwendig, daß der Friede tiefer in den Herzen gesät wird. Viele Herzen sind berührt worden, aber nicht genug, um den Frieden zu bewahren. Denn der Friede wird nie allein durch Bomben und Gespräche entstehen, aber sicher aus dem Gebet und dem Opfer vieler Menschen.
Wie sehen Sie die neuen Gemeinschaften, die aus Medjugorje entstanden sind?
Ich habe sie besucht, ich habe eine sehr große Innigkeit gesehen, viele junge Berufungen, mit einem sehr ehrlichen, natürlichen und einfachen Leben, einer Großzügigkeit, einem großen Glauben, viel Gebet und Anbetung. Sie versuchen, die Botschaft von Medjugorje in einem gemeinsamen Leben zu verwirklichen. Ich war erstaunt, daß die Kirche Experimente akzeptiert, wo Männer und Frauen sehr eng beisammenleben, aber sie schaffen diese Brüderlichkeit, die mit jener der ersten Christen vergleichbar ist.
Ich sehe, daß dasselbe Ideal auf eine etwas andere Weise sowohl von "Kraljice Mira" als auch von der "Oase della Pace" verwirklicht wird.
Möchten Sie unseren Lesern gern noch etwas sagen? Ich war sehr glücklich darüber, nach Österreich kommen zu können. Ich habe die Atmosphäre dieses Landes nun besser verstanden, das auf allen Ebenen eine sehr schöne Harmonie zwischen der Ordnung und der menschlichen Wärme zustandebringt. Das findet sich, denke ich, auch im geistlichen Bereich wieder. Ich habe ein menschliches Naturell kennengelernt, das die abstrakte Ordnung, von der es so viel in Deutschland gibt, sowie den südländischen Überschwang vermieden hat. Seit langem schon habe ich die Rolle der Gebetsaktion in Wien geschätzt, ich habe die Ordnung, die Wirksamkeit sehr geschätzt, sowie die Lebendigkeit ihrer Teilnahme am Leben von Medjugorje auf eine besonders ausgeglichene Weise, die keine Kritik hervorgerufen hat. Das, was Ihr in Österreich macht, wird recht gut angenommen, ohne Probleme. Das ist vielleicht eines der Geheimnisse dieses Sinnes für Harmonie und Gleichgewicht, das in Österreich vorhanden ist. Das ist auch eine Gnade für Medjugorje. Und es ist eine Gnade für Euch, daß Ihr einen Bischof habt, der das Geistliche besonders gut versteht und der mit dem und für das Geistliche regiert. Das wird Euch Eure Arbeit sicher erleichtern. Danke für das Gespräch!
Herzlichen Dank für das Gespräch! |