GEBETSAKTION - MARIA KÖNIGIN DES FRIEDENS - MEDJUGORJE
INTERVIEW
Msgr. Andre-Mutien Leonhard, Bischof von Namur in Belgien
INTERVIEW

Zur Hauptseite

Zurück zum Heftarchiv

INHALT
HEFT 59


Das, was ich sehe, erscheint mir sehr gut

Ich bemühe mich, so gut ich kann, Gottes Werkzeug zu sein

MEDJUGORJE ist ein Ort des Gebetes, wo der Mensch persönlich Gott begegnet

MEDJUGORJE ist eine einzigartige Erfahrung

Das Evangelium ist der Ruf zur Freiheit und Hingabe

PREDIGT ZUM FEST DES HEILIGEN FRANZISKUS AM 4. OKTOBER 2000 IN MEDJUGORJE

Ich bin Zeugin, daß es ein Leben nach dem Tod gibt




Das, was ich sehe, erscheint mir sehr gut

Msgr. Andre-Mutien Leonhard, Bischof von Namur in Belgien, verbrachte drei Tage in Medjugorje. Er wurde am 6. Mai 1940 geboren, einige Tage vor Kriegsausbruch in Belgien. Bald darauf kam sein Vater ums Leben und seine Mutter zog vier Söhne allein auf. Alle vier wurden Diözesanpriester im Bistum Namur. Er studierte Philosophie an der theologischen Fakultät in Namur und Theologie am Gregorianum in Rom. Zwanzig Jahre lang war er Philosophieprofessor, bis 1991, als er zum Bischof ernannt wurde.

Zur Situation der Kirche in Belgien meint der Bischof folgendes:

Bei uns muß man den flämisch- und den französischsprechenden Teil unterscheiden. Die flämische Kirche hat sehr starke katholische Strukturen, ist in der Gesellschaft stark vertreten. Flandern hatte bis vor kurzem viele Berufungen, aber jetzt hat es wenige. Wir haben eine Glaubenskrise in Flandern. Der französischsprechende Teil lebt in einem politischen Regime, in dem die Christen eine Minderheit sind. Dieser Teil des Landes hatte seine Krise etwas früher, aber jetzt gibt es Anzeichen der Erneuerung und sogar etwas mehr Berufungen. Im ganzen erleben wir im Land eine geistliche Krise, wir haben eine Kirche, in der es zu wenig Dynamik und Kraft der Hoffnung gibt, eine Kirche, die zu sehr vom Verstand und zu wenig vom Geist geprägt ist.

Gibt es Probleme mit neuen geistlichen Gemeinschaften?

Manchmal besteht ein Mißtrauen gegenüber neuen Gemeinschaften, die in der Kirche entstehen. Ich jedoch bin sehr glücklich, daß ich in meinem Bistum neue Gemeinschaften habe, wir haben etwa die Gemeinschaft der Seligpreisungen, ebenso die Gemeinschaft „Tiberiade", die franziskanisch inspiriert ist und wunderbar an Jugendliche und Familien ausstrahlt. Vor einigen Wochen nahmen wir eine aus Kanada stammende Gemeinschaft, „Madonna House" auf, die in der Spiritualität der Wüste lebt. In einigen Monaten werden wir die Gemeinschaft „Mirjam Bethlehem" aufnehmen und ich hoffe sehr auf eine Niederlassung der Gemeinschaft „Cenakolo". Im bischöflichen Priesterseminar gründete ich das Seminar „Redemptoris Mater", ein internationales, missionarisches Seminar, mit Jugendlichen, die ihre Berufung durch die Bewegung des Neokatechumenats gefunden haben. Es gibt also natürlich auch Hoffnung für die Kirche! Als ich zum Bischof von Namur ernannt wurde, war ich entschlossen, mit dem Bistum zu leben, d.h. daß ich vier Monate im Jahr aus dem Bischofssitz weggehe und in verschiedenen Teilen der Diözese wohne. Ich besuche dann alle Pfarren, Schulen und Bewegungen. Dieser direkte Kontakt mit den Menschen hat mich überzeugt, daß ich nicht verzweifeln muß, sondern Vertrauen in die Zukunft haben kann. Es gibt viel Edelmut, Glauben, den es zu ermutigen und zu unterstützen gilt, und ich versuche auch allem Aufmerksamkeit zu widmen, was im Bistum Hoffnung, Glauben, Sinn für das Gebet, Sinn für Solidarität mit den Menschen hat.

Wir wissen, daß Sie für den Papst Exerzitien gehalten haben

Diese Exerzitien sind geistliche Übungen besonderer Art: Daran nimmt der Papst teil, seine zwei Sekretäre, ca. 70 Kardinäle, Priester, Ordensmänner und Ordensfrauen, die in der römischen Kurie arbeiten. Wir erlebten eine tiefe Gebetsatmosphäre und eine starke Brüderlichkeit. Geistliche Übungen sind in der Stille, aber zeitweilig kommt ein Kardinal oder ein Bischof, um ein ermutigendes Wort zu sagen. Vor jedem Vortrag gibt uns der Papst kleine Zeichen der Ermutigung. Wir verbringen 5 Stunden im gemeinsamen Gebet und Meditation.

Wann hörten Sie das erste Mal von Medjugorje?

Von Medjugorje habe ich das erste Mal von meinen Seminaristen erfahren. Als ich in den Jahren 1982 und 1983 Rektor des Priesterseminars in Louvain-la-Neuve war, sind einige meiner Seminaristen nach Medjugorje gefahren. Das war bereits in den ersten Jahren der Erscheinungen. Vorher hatte ich noch nichts davon gehört. Einige Seminaristen kamen zu mir und baten mich um Erlaubnis, während der Ferien nach Medjugorje zu fahren. Ich wußte nichts davon und fragte sie, ob es eine Stellungnahme der Kirche bezüglich Medjugorje gibt. Sie verneinten und erzählten mir, daß die Muttergottes dort erst seit wenigen Jahren erscheint. Sie gaben mir einen Artikel zu lesen und ich sagte zu ihnen: „Geht und seht!" Immer wieder haben sie mir von ihren Pilgerfahrten berichtet, und 1984 entschloß ich mich, selbst zu gehen und zu sehen. Mit anderen Priestern des Priesterseminars kam ich im Juni 1984 das erste Mal nach Medjugorje. Ich muß sagen, daß all das, was ich in der Pfarrkirche gesehen habe, diese Volksfrömmigkeit, die Art, wie der Rosenkranz gebetet wird, die Eucharistiefeier, die Begegnungen, die ich zweimal mit den Sehern während der Erscheinung in der Sakristei hatte, mir sehr positiv erschienen, vor allem die Art, wie hier gebetet wird.

Wie oft waren Sie schon in Medjugorje?

Dies ist mein zweiter Besuch. Das erste Mal kam ich, wie gesagt, 1984. Ich behielt einen sehr positiven ersten Eindruck. Später war ich dann informiert. Ich habe einen Teil der Bücher von Pater Laurentin gelesen. Vor allem, als ich Professor in Louvain war, sah ich unter den Studenten einige, die in Medjugorje waren und die hier, zu Hause, das Beten, die Beichte, die Eucharistie und das Fasten entdeckt haben und ich erinnere mich, daß ich im Priesterseminar begann, ziemlich regelmäßig freitags zu fasten, indem ich dem Beispiel einiger meiner Seminaristen folgte, die nach einer Wallfahrt nach Medjugorje auch gefastet haben. Als ich Bischof wurde, begegnete ich Gläubigen, die jeden Freitag fasteten, die die Sakramente dank ihrer Begegnung mit Medjugorje entdeckt hatten. Ich stellte fest, daß es unter den Priesterseminaristen regelmäßig solche gab, die eine Bekehrung erlebt und dank Medjugorje eine Berufung erfahren haben. Zur Zeit habe ich etwa 30 Priesterseminaristen, unter denen sich einige befinden, die in Medjugorje ein geistliches Erlebnis hatten, das ihre Berufung geprägt hat. Solche Früchte interessieren mich.


Die Tatsache, daß sich dank Medjugorje so viele positive Entdeckungen ereignen, ist ein positiver Beweis zu Gunsten Medjugorjes. Ich habe mich also weiterhin informiert und gesagt, daß ich eines Tages nach Medjugorje zurückkommen werde. Ich dachte, daß ich das Jubiläum im Jahr 2000 für eine kurze Wallfahrt nutzen könnte. Die Tatsache, daß es zur Zeit in Frankreich und Belgien viel Widerstand gegen die Geschehnisse in Medjugorje gibt und Bücher, die Medjugorje kritisieren, hat mich bewogen, zu kommen und mit eigenen Augen zu sehen. Ich urteile nicht gern aus einer Distanz oder nur aus Büchern über Dinge, Situationen und Personen; lieber komme ich selbst, um mich umzusehen. Nachdem ich den Bischof von Mostar informiert hatte, kam ich als Pilger hierher, um zu beten, aber auch, um mich persönlich davon zu überzeugen und ich muß sagen, das, was ich sehe, erscheint mir sehr gut: Das Rosenkranzbeten, die Eucharistie, die Anbetung, die solide, die harmonische, die erleuchtete Frömmigkeit. Was die Geschehnisse in Medjugorje betrifft, liegt es nicht an mir, darüber eine Erklärung abzugeben, das ist Sache des örtlichen Bischofs und der Bischöfe von Bosnien und Herzegowina, nach einer detaillierten Untersuchung der Situation ein Urteil über die Glaubwürdigkeit oder Unglaubwürdigkeit der Erscheinungen zu formulieren. Das ist nicht meine Sache! In jedem Fall werde ich das offizielle Urteil der Kirche annehmen.

Warum zögert man in der Kirche, wenn man doch die guten Früchte sieht?

Ich denke, daß die Kirche in ihrer Weisheit wünscht, bei derartigen Phänomenen zunächst die Tatsachen zu prüfen und erst dann die Früchte. Ich denke, daß das eine Regel ist, die bereits Kardinal Seper formuliert hat, als er Präfekt der Kongregation für die Glaubenslehre war. Erst werden die Tatsachen untersucht und dann die Früchte. Die Untersuchung der Früchte ist nicht ausreichend. Es müssen die Tatsachen untersucht werden, aber die Fülle der positiven Früchte ist für sich genommen ein positiver Beweis, auch wenn es mir scheint, daß es wie bei jeder Sache, die Menschen betrifft, auch negative Früchte gibt. Wo immer es Menschen gibt, gibt es menschliche Dinge, manchmal allzu menschliche. Wie auch unter den 12 Aposteln.

Woher kommt die Opposition?

Es ist verständlich, daß Fragen über das Phänomen Medjugorje gestellt werden und daß es Einwände gegen die Erscheinungen in Medjugorje gibt. Es werden Fragen über die Vielzahl der Erscheinungen gestellt, über die Tatsache, daß sie in gewisser Weise vorhersehbar sind. Ich verstehe, daß Fragen gestellt werden. Ich bin auch informiert über die Fragen, die sich die Gegner von Medjugorje stellen. Man soll sie ruhig anhören. Ich akzeptiere diese Fragen, möchte aber für das Geschehen offen bleiben. Ich kenne befreundete Bischöfe, zu deren Verhaltensregeln es gehört zu sagen: Paß auf, wenn wir für die Geschehnisse in Medjugorje offen sind, können wir vielleicht etwas ermutigen, was nicht glaubwürdig ist. Es ist ein Risiko. Ich bin empfänglicher für das entgegengesetzte Risiko und sage: Es ist ebenso möglich, daß der Himmel an diesem Ort zu den Menschen gesprochen hat und ich möchte nicht das Risiko übernehmen, mich a priori dieser Gnade zu verschließen. Es gibt zwei Risiken: Das Risiko, daß wir uns in Medjugorje täuschen und das Risiko, an einem Gnadengeschenk vorbeizugehen. Ich möchte, daß diejenigen, die die Gnade und Kompetenz haben, der örtliche Bischof, die Bischofskonferenz von Bosnien und Herzegowina, die theologische und wissenschaftliche Kommission, fortfahren, dieses Phänomen zu erforschen und eines Tages das Urteil der Kirche darüber formulieren, was sich hier ereignet hat. Bisher übernehme ich von beiden Risiken lieber das Risiko, zu offen zu sein als das Risiko, mich a priori der Gnade Gottes zu verschließen, die an diesem Ort wirken kann. Deshalb vertrete ich den Standpunkt der Offenheit und Besonnenheit.

Wir Franziskaner stellen uns in Erwartung des endgültigen Urteils in den Dienst der Personen, die hierherkommen. Der Bischof betrachtet uns als „ungehorsam" wegen der „Erscheinungen", aber wir haben keine Wahl. Wenn die Menschen hierher kommen, müssen wir ihnen dienen.

Soviel ich sehen kann, basiert Ihre pastorale Arbeit in der Pfarrkirche nicht auf den Erscheinungen als solche. Es scheint mir, daß die Erscheinungen nicht viel erwähnt werden, wenn die Eucharistie und die Sakramente gefeiert werden. Manchmal höre ich sogar: Alle Früchte Medjugorjes kommen einfach aus der Tatsache, daß die Eucharistie gefeiert, daß gebetet wird. Die Früchte, wenn es sie gibt, kommen also nicht von den angeblichen Erscheinungen, sondern von den Sakramenten der Kirche.

Einige Menschen sagen: „Wo es Gebete gibt, gibt es Gnaden und Wunder".

Diese Logik scheint mir nicht ganz korrekt. Es ist wahr, daß dort, wo es Gebete, Eucharistien und Beichten gibt, auch die Früchte gedeihen. Aber es gibt viele andere Orte in der Welt, wo gebetet wird, wo gebeichtet wird, wo die Eucharistie gefeiert wird und es gibt nicht die gleiche Art solcher augenscheinlicher Früchte!

Sie denken also, daß diese Dimension den Erscheinungen zugeschrieben werden kann?

Ich glaube, daß das eine Indikation ist, die erforscht werden sollte, eine Indikation, die zum Nachdenken anregt. Ich treffe regelmäßig Jugendliche, die an das Priesteramt denken oder die hier in Medjugorje eine tiefe Erfahrung der Bekehrung gemacht haben, viel mehr als an anderen Orten, und das drängt mir Fragen auf. Ich kann nicht vorbehaltlos annehmen, daß die Früchte Medjugorjes nur mit dem Leben der Sakramente verbunden sind, die werden auch an anderen Orten gelebt. Hier gibt es etwas, was besondere Fragen aufwirft. Es steht mir nicht zu, mich über die Wirklichkeit dieser Grundlage auszudrücken, aber es gibt Fragen, die nicht zu umgehen sind.

Welche Worte möchten Sie am Ende des Gespräches noch an uns richten?

Ich denke, daß wir in einer Zeit leben, die auf dem geistigen Plan Eile erfordert. Ich bin überzeugt, daß die Zeit des Jubiläums eine Zeit der besonderen Gnade ist, die, wie Papst Johannes Paul II. bereits mehrere Male gesagt hat, ein neues Ergießen des heiligen Geistes vorbereitet, was der Kirche und der Welt Not tut. Deshalb denke ich, daß es am nötigsten ist, sich auf das Wichtigste zu konzentrieren, so wie Sie hier arbeiten, in dieser Pfarre, sich auf die Eucharistie zu konzentrieren, die die Quelle des christlichen Lebens ist. Für das andere denke ich, sollte die Gnade des Friedens gepflegt und versucht werden, daß das Abgrenzen bezüglich Medjugorje in der bestmöglichen Atmosphäre zum Wohle der Kirche geschieht.

Das Gespräch führte Pater Slavko Barbariç