Einmal weinte der heilige Franziskus. "Warum weinst du?", fragte ihn ein Bruder seiner Gemeinschaft. Franziskus gab zur Antwort: "Die gekreuzigte Liebe wird nicht mehr geliebt." Wie herzzerreißend würde der Heilige heute weinen, angesichts der großen Gleichgültigkeit und Lieblosigkeit gegenüber der gekreuzigten Liebe. Christus, der die Liebe ist, ist zur ungeliebten Liebe geworden. Christus, die aus Liebe zu uns Menschen geborene Liebe, die gelebte Liebe und die gekreuzigte Liebe wird nicht mehr geliebt.
Aus diesem Grund schickt Jesus uns seine Mutter. Sie will uns diese Liebe zeigen. Hier in Medjugorje wird die ungeliebte Liebe wieder gefunden und geliebt.
Maria sagt in einer Botschaft, sie habe von vielen Pfarren diese Pfarre auserwählt. Vielleicht auch deshalb, weil hier Söhne des heiligen Franziskus wirken. In der Herzegowina haben diese Franziskaner sowohl unter der Türkenherrschaft als auch im kommunistischen Regime ihren Glauben treu bezeugt, bis hin zum Martyrium, wie das Beispiel der Märtyrer von Siroki Brijeg zeigt.
Bei einem Gebetstreffen in meiner Heimatgemeinde, im April dieses Jahres, sprach Pater Jozo während der eucharistischen Anbetung die Worte:
"Jesus, ich liebe dich!"
Eine Frau aus meiner Pfarre war davon so stark beeindruckt, daß sie mir danach sagte, sie habe noch nie einen Priester beten hören "Jesus, ich liebe dich."
Liebe ist das verbrauchteste und am häufigsten mißbrauchte Wort.
An Franziskus können wir lernen, was Liebe wirklich ist.
Diese Liebe ist nicht billig, sie ist anspruchsvoll, sie verschenkt sich, sie ist Hingabe und sie beinhaltet das Kreuz.
Diese Liebe hat Franziskus gelebt. Er hat die gekreuzigte Liebe geliebt, die wahre Liebe, die Gottesliebe. Diese Liebe wurde am Ende seines Lebens gekrönt mit den Stigmata, den Wundmalen des Herrn. Indem Franziskus Jesus suchte, ist er ihm ähnlich geworden.
Ein Bischof aus Vietnam kam ins Gefängnis. Dort klagte er Gott an und zählte auf, was er in dieser Zeit der Freiheit hätte alles tun können: Exerzitien halten, Pastoralbesuche machen, Predigten halten, Sakramente spenden. Da hörte er in seinem Herzen die Stimme Jesu:
"Suche nicht zuerst die Werke, sondern suche mich!"
Genau hierin unterliegen wir einer Fehlhaltung. Beginne nicht mit dem Fasten! Beginne nicht mit dem Rosenkranz! Zuerst suche Christus!
Weil Franziskus diesen Weg gegangen ist, Christus gesucht und gefunden hat, war er reif für das Wort Jesu: "Baue meine Kirche wieder auf!"
Nicht eine Kirche, sondern meine Kirche, sagte Jesus. Christus will nicht, daß wir ihn gegen die Kirche ausspielen, die Kirche ist seine Kirche.
Das zeigt sich besonders in Medjugorje. Hier wird Christus gefunden in einer Pfarrgemeinde, im Bußsakrament, in der Eucharistie, im Bruder und in der Schwester.
Wir stehen vor einem neuen Jahrtausend. Wenn wir die Kirche erneuern wollen, dann müssen wir auf den heiligen Franziskus schauen.
Was vor 800 Jahren möglich war, das muß auch heute möglich sein.
Erneuerung geschieht nicht von oben, von unten, von links oder rechts, Erneuerung geschieht von innen.
Daß du heute hier bist in Medjugorje, in dieser Kirche, an diesem geheiligten Ort, ist kein Zufall.
In dieser Stunde spricht Jesus zu dir die gleichen Worte, die er zu Franziskus gesprochen hat:
"Baue meine Kirche wieder auf!"
Amen.